Walter Freund

Walter Freund ist kaufmännischer Sachbearbeiter in einem Shoppingsender. Ein nicht ganz integrer, aber eloquenter Labersack, der mir das Leben mit seinen Kommentaren erschwert. Unmöglich ihn abzuschütteln. Ein moderner Prediger, das Goldstück für vor dem Fernseher vereinsamte Damen und Herren.

Walter wurde am 4. September 1952 in Oberhausen-Osterfeld geboren. Die ersten zwei Jahre verbrachte er in Windeln und liebend gern auf dem Bauch liegend. Eine glückliche Kindheit dann im Sandkasten auf dem Spielplatz hinter der Sozialsiedlung. 1966 begann er mit dem Sammeln, Tauschen und Verhandeln von Fußballbildern und -alben bis 1974. Er absolvierte die Mittlere Reife, schloß eine kaufmännische Lehre in einer Lack- und Farbenfabrik ab und gelangte nach einigem Zaudern ans Fachabitur, Richtung Wirtschaft und Verwaltung.

Heute ist er der King des Shoppingfernsehns. Seiner Aufmerksamkeit entgeht nichts. Ein unbestechliches Auge für die Unannehmlichkeiten des Daseins: der wöchentliche Hausputz, die Schlieren auf der Kühlerhaube, Beulen am Kotflügel, Blinde Fenster, leistungsschwache Personal-Computer, schwankende Kaffeequalität und verkalkte Badezimmerfliesen, raue rissige Hände – sein Notizbuch, FAQ, enthält die privaten Antworten eines Mannes auf die öffentlich gestellten Fragen einer größer werdenden Anzahl von Menschen aller Windrichtungen, unabhängig von bisher erreichten Berufsabschlüssen und wechselnden Einkommensverhältnissen.

Ihm verdanke ich eine kleines Glockenspiel, drei wenig benutzte Mundharmonikas, ein Kazoo, ein Tambourin und eine Heimorgel für festliche Tage.

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